Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung
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Informationen zu regionalen Einflussfaktoren auf den Gender-Index

Zur richtigen Interpretation des Gender-Index und für die Ableitung von Handlungsempfehlungen müssen wichtige Strukturinformationen bekannt sein: Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Wirtschaftsstruktur, geschlechtsdifferenzierte Wanderungen usw.

Alle Zahlen zu den Einflussfaktoren sind in den Daten-Tabellen des Download enthalten.

Kinderbetreuung

Mütter und Väter sind auf ein ausreichendes Angebot an außerhäuslicher Kinderbetreuung angewiesen, wollen sie beide ihre Erwerbstätigkeit ausüben. Das Attribut ausreichend bezieht sich dabei nicht nur auf die reine Zahl von Plätzen sondern auch auf die Länge der täglichen Betreuungszeiten und die Qualität des Betreuungsangebotes. In vielen Bundesländern besitzen Kinder zwischen drei und sechs Jahren zwar einen gesetzlichen Anspruch auf einen Betreuungsplatz, dieser Anspruch beschränkt sich in vielen Fällen jedoch auf den Vormittag bzw. eine begrenzte Anzahl von Stunden. Dass außerhäusliche Betreuung nicht nur eine Frage der Verwahrung ist sondern auch ein wichtiger Baustein in der vorschulischen Bildung, findet immer mehr Annerkennung. Daher wird in den meisten Regionen kontinuierlich an einem Ausbau der Betreuungsplätzen in Anzahl, zeitlicher und qualitativer Richtung gearbeitet, vor allem für die Kinder unter 3 Jahren und im Bereich des Nachmittagsangebotes in Schulen. >>Karte

Pflege von Angehörigen

Im Mai 2003 waren nach Ergebnissen des Mikrozensus rund zwei Millionen Menschen pflegebedürftig. Nahezu drei Viertel davon wurden zu Hause versorgt. Laut Daten des SOEP waren zu 63 % derjenigen, die angaben, einen Bedürftigen zu pflegen, Frauen und entsprechend waren 37 % der häuslichen Pfleger Männer. Der Gender Datenreport 2005 benennt den Anteil der Frauen mit 73 %. Lediglich ein Drittel der pflegenden Personen im erwerbsfähigen Alter ist neben der Pflege ihrer Angehörigen auch erwerbstätig. Viele Angehörige können keine häusliche Pflege übernehmen, ohne aus der Erwerbstätigkeit auszusteigen. Insgesamt fühlen sich Pflegepersonen durch die Pflegeaufgaben sehr belastet. Die Leistungen aus der Pflegeversicherung – sowohl Sach- als auch Geldleistungen – führen bisher nicht zu einer durchgreifenden Entlastung. >>Karte

Wirtschaftsstruktur allgemein

Wie die Möglichkeiten für Frauen und Männer auf dem regionalen Arbeitsmarkt sind, hängt natürlich auch von der regionalen Wirtschaftsstruktur ab. Denn nach wie vor ist die Berufswahl von Frauen und Männern sehr spezifisch auf ausgewählte Berufe konzentriert. Gleichstellung ist nicht gleich zu setzen mit Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Nicht alle Selektivität in der Berufswahl und in der Hierarchie ist auf die weibliche Lebensplanung mit Familie und Beruf zurückzuführen. Probleme in der beruflichen Gleichstellung treffen auch Frauen ohne Kinder. Gleichstellung hat daher immer eine strukturelle Komponente - auch eine wirtschaftsstrukturelle.
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Struktur des Dienstleistungssektors

Die Differenzierung des tertiären Sektors in drei große, der internationalen Nomenklatur folgenden Bereiche zeigt, dass Frauen hauptsächlich im öffentlichen Sektor und in den privaten Dienstleistungen dominant sind. In den Bereichen der überwiegend unternehmensorientierten Dienstleistungen, Handel, Verkehr und Gaststättengewerbe sind Frauen und Männer ungefähr gleichermaßen vertreten. Damit stellt der öffentliche Dienst das stärkste Betätigungsfeld für Frauen. >>Karte

Teilzeitarbeitsplätze

Insbesondere für Frauen wird die Frage der Vereinbarkeitsproblematik oft noch auf die Schaffung oder das Vorhandensein von Teilzeitarbeitsplätzen reduziert. Letztere Sichtweise greift jedoch viel zu kurz:

Existenzgründungen

Existenzgründungen sind ein spezieller Unterbereich der Wirtschaft. Existenzgründungen stehen vielfach für eine lebhafte wirtschaftliche Aktivität in der Region. Duchschnittlich ein Drittel der Existenzgründungen werden von Frauen getätigt. Regional ist nicht nur einerseits das Gründungunsgeschehen sehr differenziert sondern auch der Anteil der Frauen an den Existenzgründungen variiert stark. >>Karte

Binnenwanderung

Vor allem Binnenwanderungen sind ein Indikator für regionale Disparitäten; sie verdeutlichen die „Abstimmung mit den Füßen“, sind Reaktion auf objektiv vorherrschende, aber auch individuell wahrgenommene Lebensverhältnisse vor Ort. Darüber hinaus können sie an der Bildung oder aber stärkeren Ausprägung regionaler Disparitäten beteiligt sein. Ein besonderer Blick lohnt auf die beiden Altersgruppen mit starker Wanderungsneigung: die Altersgruppe der 18- bis unter 25jährigen wandert vornehmlich aus Bildungsmotiven und wird daher als Gruppe der Bildungswanderer bezeichnet. Auch in der Altersgruppe der 25- bis unter 30jährigen spielt Bildung noch eine hohe Rolle; berufliche Aspekte gewinnen jedoch an Bedeutung und sind das vorherrschende Wanderungsmotiv, weshalb diese Gruppe als Berufswanderer bezeichnet wird. >>Karte

Bevölkerungsstruktur nach Altersklassen

Keineswegs in allen Altersgruppen sind die Frauen gegenüber den Männern in der Überzahl. Im Prinzip speist sich der Frauenüberschuss fast gänzlich aus den älteren Jahrgängen. Und die nach Geschlecht sehr selektiven Wanderungen der Bildungs- und Berufsorientierten haben in manchen Regionen ein starkes Ungleichgewicht im Geschlechterproporz entstehen lassen. >> Karte

Ausländische Bevölkerung

Der überproportionale Anteil von Frauen an der Gesamtbevölkerung beruht überwiegend auf dem deutschen Anteil unter der Bevölkerung, denn von allen Ausländern in Deutschland sind knapp 49 % Frauen. Obwohl in den letzten Jahren auch verstärkt Frauen nach Deutschland zugezogen sind, ist nach wie vor der größte Teil der Ausländer in Deutschland männlichen Geschlechts. >>Karte

Berufsschulen

Auch die nachfolgende Karten mit dem Geschlechterproporz an Berufsschulen einerseits und an Berufsfachschulen andererseits bestätigt die Geschlechterunterschiede und macht deutlich, wie unterschiedlich Frauen und Männer ihre Ausbildung planen bzw. wie nachhaltig selektiv die Berufswahl von Frauen und Männern ist, welche einerseits überwiegend in Berufsfachschulen oder andererseits in betrieblicher Ausbildung und Berufsschulen angeboten werden. In Bayern sind die Daten leider für die Landkreise, die die kleinen kreisfreien Städte umgeben, unzureichend. >>Karte