Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung
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Die Politik des Gender Mainstreaming benötigt verlässliche Informationen

Die Politik des Gender-Mainstreming benötigt verlässliche Informationen. Gender-Mainstreaming ist ein handlungsleitendes Prinzip, um die Gleichstellung von Männern und Frauen zu verwirklichen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist bei allen Prozessen und Abläufen zu fragen, ob Frauen und Männer gleichermaßen berücksichtigt werden und ob die Ergebnisse gleichermaßen Chancen und Nutzen für beide Geschlechter bringen. 1999 erklärte die deutsche Bundesregierung per Kabinettsbeschluss Gender Mainstreaming zum Leitprinzip des Regierungshandelns.

Es geht bei Gender Mainstreaming also um die Verbesserung und Überprüfung von Prozessen mit dem Ziel, eine geschlechterbezogene Sichtweise in alle Konzepte, auf allen Ebenen und in allen Phasen durch alle beteiligte Akteurinnen und Akteure einzubeziehen.

Um ein gezieltes und praxisbezogenes Handeln zu gewährleisten, sind geschlechtsspezifische Daten eine unabdingbare Informationsbasis, die den Akteurinnen und Akteuren in den kreisfreien Städten und Landkreisen bislang nicht so ohne weiteres zur Verfügung stand. Diese Lücke kann nun mit dem Gender-Index geschlossen werden.

Wie beim schwedischen Vorbild Jäm-Index bietet der Gender-Index den Akteurinnen und Akteuren der Stadt- und Landkreise eine Möglichkeit zu vergleichen, wo sie in der Gleichstellungspolitik stehen. Die Vergleiche sind möglich anhand der Übersichtskarte, im Detail an den ausgewählten Indikatoren durch bewertende Profile und im Vergleich mit den Durchschnittswerten auf anderen räumlichen Ebenen wie Bund und Länder.

 

Der Gender-Index fußt auf umfangreichen Vorstudien

„Gender Mainstreaming – Strukturpolitik auf dem Weg zu neuen Konzepten, Instrumenten und Implementationsstrategien“ lautete der Titel eines von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Forschungs- und Transfervorhabens. Im Rahmen dieses Vorhabens in den Jahren 2001 bis 2004 sind gleichstellungspolitische Erfahrungen, Instrumente und Analysemethoden aus Schweden ermittelt und als sinnvolle und notwendige Ergänzung der gleichstellungsorientierten Wirtschafts- und Strukturpolitik in Deutschland erachtet worden. Dazu zählte der Jäm-Index oder auch Gender Equality Index als ein Instrument, das die Gleichstellung von Frauen und Männern messbar macht und Vergleiche zwischen Kommunen/Regionen hinsichtlich der Gleichstellung ermöglicht. In schwedischen Regionen gilt der Jäm-Index als Werkzeug für die regionale Analyse und Standortbestimmung und durchaus als Erfolgsfaktor für zielgerichtete regionale Struktur- und Wirtschaftspolitik zugunsten beider Geschlechter und für den Abbau bestehender Benachteiligungen.

Diese Erfahrungen bildeten die Grundlage für die Machbarkeitsstudie „Gender Index – eine Landkarte für Deutschland“, die Ende des Jahres 2006 vorgelegt wurde. Diese ist als Arbeitspapier 136 von der Hans-Böckler-Stiftung veröffentlicht und die Autor/innen waren Mechthild Kopel und Gerhard Engelbrech.

Mit der öffentlichen Präsentation im Frühjahr 2007 wurde sowohl bei dem politischen Fachpublikum als auch in den Medien große Aufmerksamkeit erzielt und mehr und mehr verfestigte sich die Auffassung „Geschlechtsspezifische Statistik ist ein notwendiges Mittel zur Analyse von Gleichstellung und Chancengleichheit und die Nutzungs- und Anwendungsmöglichkeiten für die strategische Standortentwicklung“ und wird für die innovativen Prozesse der Cluster- und Kompetenzfeldpolitik als sinnvoll erachtet.

Die genannte Machbarkeitsstudie wiederum löste Interesse im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (seit 1. 1.2009 Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)) aus, das seinerseits über ein umfassendes räumliches Informationssystem, die Laufende Raumbeobachtung, verfügt und sich ebenfalls intensiv seit 2003 eingehender mit regionalen und geschlechtsspezifischen Indikatoren beschäftigte. Die Ergebnisse einer systematischen Aufstellung und Untersuchung geschlechtsdifferenzierter regionaler Daten wurden im Bericht des BBR „Frauen – Männer – Räume“ veröffentlicht.

Beide Entwicklungslinien ermöglichten eine zielgerichtete Kooperation und eine bis dahin noch nicht erprobte neue Akteurskonstellation: In regelmäßigen Arbeitstreffen seit Januar 2008 wurde die Realisierung und die bundesweite Implementation des Gender-Index unter Leitung der Hans-Böckler-Stiftung und mit Beteiligung des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, der Wert.Arbeit GmbH Berlin sowie des DGB - Abteilung Gleichstellungs- und Frauenpolitik entwickelt. In diesem Entwicklungsprozess wurden das Indikatorenset und die Methode der Indexbildung abgestimmt. Die zukünftige bundesweite Verfügbarkeit des Gender-Index sollte von Anfang an mittels einer Internetpräsentation gewährleistet werden. Dieser Webauftritt wurde durch dass BBSR konzipiert. Nach Abstimmung des Entwurfs im August 2008 wurde die weitere Umsetzung durch das BBSR übernommen. Die Kombination der Akteurinnen und Akteure aus Wissenschaft, angewandter Beratung und Interessenvertretung und deren fachliche Ressourcen bietet Gewähr für eine fach- und sachgerechte Realisierung sowie für entsprechende Aufmerksamkeit im politischen Raum.

siehe auch: Veröffentlichungen und Downloads